Desensibilisierung – Allergien langfristig behandeln

Eine laufende Nase, Niesreiz, juckende Augen oder allergisch bedingte Atemwegsbeschwerden können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Medikamente können die Beschwerden lindern – sie behandeln jedoch nicht die zugrunde liegende allergische Überempfindlichkeit.

Bei geeigneten Allergien kann eine spezifische Immuntherapie, umgangssprachlich auch Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung genannt, eine langfristige Behandlungsmöglichkeit sein.

Dabei wird der Körper über einen längeren Zeitraum kontrolliert und in definierten Mengen mit dem Allergen konfrontiert. Ziel ist es, das Immunsystem schrittweise an das Allergen zu gewöhnen und die allergische Reaktion langfristig abzuschwächen. 

Für wen kommt eine Desensibilisierung infrage?

Eine spezifische Immuntherapie kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn:

  • eine klinisch relevante Allergie eindeutig festgestellt wurde,
  • die Beschwerden regelmäßig oder deutlich ausgeprägt sind,
  • der Kontakt mit dem Allergen nicht ausreichend vermieden werden kann,
  • Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend kontrollieren oder langfristig keine alleinige Lösung darstellen,
  • eine langfristige Behandlung der Allergie angestrebt wird.

Eine nachgewiesene Sensibilisierung im Allergietest bedeutet dabei nicht automatisch, dass eine Immuntherapie notwendig ist. Entscheidend ist, ob der Befund zu den tatsächlichen Beschwerden und zur Krankengeschichte passt.

Die Entscheidung für eine Immuntherapie wird deshalb immer individuell getroffen.

Welche Formen der Desensibilisierung gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwei wichtige Formen:

1. SCIT – Behandlung mit Spritzen

Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) wird das entsprechende Allergen unter die Haut gespritzt.

Zu Beginn wird mit einer niedrigen Dosis begonnen. Diese wird nach einem festgelegten Behandlungsschema schrittweise gesteigert. Anschließend erfolgt die Behandlung in regelmäßigen Abständen mit der individuell vorgesehenen Erhaltungsdosis.

Die Behandlung findet unter ärztlicher Betreuung statt.

Die SCIT kommt unter anderem bei bestimmten:

  • Pollenallergien
  • Hausstaubmilbenallergien
  • Insektengiftallergien

in Betracht. Bei einer gesicherten Bienen- oder Wespengiftallergie kann eine spezifische Immuntherapie besonders wichtig sein, da sie das Risiko schwerer Reaktionen nach einem erneuten Stich deutlich reduzieren kann. 

2. SLIT – Behandlung über die Mundschleimhaut

Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) wird das Allergen über die Mundschleimhaut aufgenommen, beispielsweise in Form von Tabletten oder Tropfen.

Je nach Präparat erfolgt die Anwendung nach einem festgelegten Schema und über einen längeren Zeitraum.

Auch bei der SLIT geht es darum, das Immunsystem kontrolliert an das relevante Allergen zu gewöhnen. 

Welche Form geeignet ist, hängt unter anderem vom Allergen, der Allergie, der individuellen Situation und dem verfügbaren zugelassenen Präparat ab.

Was kann eine Desensibilisierung bewirken?

Das Ziel ist nicht lediglich eine kurzfristige Linderung der Beschwerden. Vielmehr soll die allergische Überempfindlichkeit langfristig reduziert werden.

Je nach Allergie und individueller Situation können sich dadurch beispielsweise:

  • allergischer Schnupfen,
  • allergische Augenbeschwerden,
  • allergisch bedingte Atemwegsbeschwerden

langfristig verbessern. Bei bestimmten Insektengiftallergien kann eine Immuntherapie schwere allergische Reaktionen nach einem erneuten Stich verhindern. 

Der Behandlungserfolg ist individuell und kann nicht garantiert werden.

Gibt es Nebenwirkungen?

Wie bei jeder medizinischen Behandlung können auch bei einer spezifischen Immuntherapie Nebenwirkungen auftreten.

Bei der SCIT können beispielsweise Reaktionen an der Einstichstelle auftreten. Bei der SLIT sind insbesondere lokale Beschwerden im Mund- und Rachenbereich möglich. Selten können auch stärkere allergische Reaktionen/Anaphylaxien auftreten.

Deshalb erfolgt die Therapie nach einem festgelegten ärztlichen Behandlungsschema und unter entsprechender medizinischer Betreuung. 

Bei akuten Erkrankungen oder besonderen gesundheitlichen Veränderungen sollte vor der nächsten Behandlung Rücksprache mit der behandelnden Praxis gehalten werden.

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